Diese Schreibarbeit folgt keinem literarischen Format.
Sie entsteht im Prozess – ohne Sicherung, ohne fertige Form.
Was hier sichtbar wird, sind Schichtungen:
Stimmen, Erinnerungen, Brüche, Wiederholungen.
Die Formen wechseln.
Längere Texte stehen neben Miniaturen,
Verdichtungen neben fortlaufenden Bewegungen,
dialogische Passagen neben poetischen Setzungen.
Figuren treten auf – Ida, Michael, Matthias –
nicht als Charaktere, sondern als Träger von Erfahrung.
Biografisches, Imaginiertes und Überliefertes sind nicht zu trennen.
Der Text ordnet nicht.
Er hält offen.
In diesem Sinne ist Schreiben hier kein Ausdruck,
sondern eine Bewegung im Material selbst.
Vergangenheit erscheint nicht als abgeschlossen,
sondern als gegenwärtig wirksam – als Sediment.
Erinnern ist kein Rückblick, sondern ein Geschehen im Jetzt
– ein Auftauchen, das sich der Verfügung entzieht.
Zugleich steht diese Arbeit in einer Tradition,
die Geschichte nicht als Erzählung, sondern als Unterbrechung begreift
und die Beziehung zum Anderen als ethische Zumutung versteht.
Schreiben geschieht hier nicht aus Souveränität, oszilliert – zwischen Müdigkeit, Widerstand und Notwendigkeit.
Die einzelnen Textformen stehen nicht nebeneinander,
sondern greifen ineinander und verändern sich gegenseitig.
Sie bilden kein Werk im klassischen Sinn,
sondern ein offenes Gefüge.
In Verbindung mit den künstlerischen Arbeiten –
Installationen, Performances, Sedimenta
sowie dem Arbeitskomplex „Widerstand und Vergebung“ –
entsteht ein Raum, in dem Schreiben Teil einer erweiterten Praxis ist.
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Was hier entsteht, sind keine abgeschlossene Werke.
Es ist Material.
Verdichtete Zeit.
Offen.